Donnerstag, 18. Oktober 2018, 19 Uhr
Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur
Max-Samuel-Haus Rostock, Schillerplatz 10

Die andere Orgelbewegung

Wie die Orgel in die Synagoge kam

Der Einzug der Orgel in die liberalen Synagogen vieler mitteleuropäischen Großstädte ist ein Indiz für die Reform des theologischen Denkens, der gottesdienstlichen Rituale und des Bewusstseins über den Status der jüdischen Gemeinden im europäischen Kulturraum. Initialzündung für die Reformbestrebungen war die von Moses Mendelssohn entwickelte jüdische Aufklärung (Haskala). Die Französische Revolution tat das Ihre hinzu, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem die Emanzipation des Judentums eine ernsthafte Perspektive zu haben schien.

Landrabbiner Israel Jacobson ließ 1801 in Seesen (Harz) die erste Synagogenorgel
bauen. Der „Hamburger Tempelstreit“ (1822) dokumentiert die leidenschaftliche Debatte über die Ausrichtung des Judentums, in der es auch um die Orgel ging.

Nachdem Rabbinerkonferenzen der „jüdischen Orgelbewegung“ durch Mehrheitsbeschluss ihren Segen gegeben hatten, entfaltete sich eine reichhaltige Tradition, die am 9. November 1938 ein jähes Ende fand. Es ist ein Gebot der Stunde, diese Tradition dem Vergessen zu entreißen. Es ist eine Tradition der vergeblichen Hoffung.

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